Beijing, 27. April 2004: Was läuft denn hier in China?

Für einmal gibt es nicht sehr viel zu berichten (und deshalb nicht mal eine Foto). Ich mache das, was ich in Beijing immer tue: Viel trainieren. Im Moment besuche ich den Morgenunterricht bei Lehrer Huang Kanghui, der ja im Herbst an unserer Schule das Chenstil-Seminar leiten wird. Daneben nehme ich Privatstunden bei Lehrer Huang. An sich ist das Thema der Klasse Yangstil Wettkampfform, aber ich kann trotzdem Chenstil üben. Beim Formenmachen wechseln wir uns ab, mit der Einschränkung, dass die Klasse in der Gruppe übt, während ich dann alleine vor Huang antreten darf. Dass soll all denjenigen ein Lächeln schenken, die denken, wir Lehrer wüssten nicht mehr, wie es sich anfühlt, wenn man etwas alleine vormachen muss.

Vom 1. Mai an sind hier ein paar Tage Ferien. Alles ist geschlossen und ich nutze die Zeit für zwei Dinge:
1. Besuche ich Xi'an und Lehrer Fan, der in unserer Wushu-Abteilung ja kein Unbekannter ist. Dabei soll auch die Möglichkeit erörtert werden, inskünftig direkt und ausschliesslich mit ihm zusammen zu arbeiten, d.h. dass SchülerInnen von uns nicht mehr wie bisher in die Schule von Zhao Changjun gehen, sondern vielmehr direkt von Lehrer Fanqiang betreut werden. Hierzu müssen nun neue Räumlichkeiten (Unterkünfte, Sporthallen und damit auch eine in der Nähe von Lehrer Fans Wohnort gelegene Wushu-Schule) inspiziert werden.
2. Für 2006 planen wir ja wiederum eine Reise nach China. Weil es nicht auszuschliessen ist, dass auch nächstes Mal wiederum einige von euch die Reise ein 2. Mal mitmachen werden, soll die Reise schon deshalb nicht identisch mit der Reise 2003 sein. Gemäss Empfehlung werde ich mir nun eine Gegend namens "jiuzhaigou" in der Provinz Sichuan auf 3000 m Höhe ansehen. Es soll so was wie das Heidiland von China sein. Auf jeden Fall habe ich ganz beeindruckende Bilder gesehen und 1992 deklarierte die UNESCO dieses Gebiet als "Welterbe". Sollte die Realität die Bilder bestätigen, dann könnte "jiuzhaigou" durchaus unsere nächste Reise bereichern. Zur Reise 2006 sei noch so viel gesagt: Nach Wudang, der Legende nach der Ursprungsort des Taijiquan (er war es wohl nicht...), dem wunderschönen Gebirge mit seinen daoistischen Klöstern, gibt es neuerdings eine Flugverbindung. Deshalb ist auch das Wudang-Gebirge ein möglicher Kandidat für die nächste China-Reise.

Und hier noch eine wahre Begebenheit zum Schmunzeln: Ich war gerade zu Fuss unterwegs, da ich in einem Park eine Gruppe besucht hatte, die traditionellen Chenstil nach Chen Fake übt. Eine Taxifahrerin sprach mich dabei an und fragte, ob ich denn nicht ein Fahrzeug brauche. Nein, sagte ich, ich gehe zu Fuss. Aber zu Fuss gehen sei doch sehr anstrengend und wenn es noch weit sei, dann erst recht, entgegnete die hartnäckige Fahrerin. Was ich denn mache, wenn es weit und ich müde geworden sei: "Xiuxi (=Pause) !" antwortete ich.

Ich hoffe, mich in ca. 10 Tagen mit neuen Informationen und vor allem dann mit Bildern aus diesem "jiuzhaigou" melden zu können. Herzliche Grüsse an alle in der Schweiz.

Jürg Wiesendanger

Sekretariat Wushu Akademie Schweiz:
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